Mulchen – Die Alternative zum Rasenmähen

Rasenmulch in Hand

Wenn es um die Rasenpflege geht, gehen die Meinungen der passionierten Hobbygärtner und Gartenliebhaber stark auseinander. Während die einen ihren Rasen noch immer auf die konventionelle Art mähen, schwören andere hingegen auf das Mulchen. Doch was ist Mulchen überhaupt? In den folgenden Zeilen werden wir uns der Beantwortung dieser Frage widmen und uns näher mit dem Thema befassen.

Mulchen nennt man das Abdecken des Bodens mit unverrotteten organischen Materialien (Mulch). Als Vorbild dieser Methode dient die Natur selbst, da auch im Wald der Boden im Herbst von einer Schicht aus Laub, Nadeln und Reisig bedeckt wird und so eine natürliche und nährstoffreiche Schutzdecke erhält. Das Mulch-Prinzip eignet sich sowohl für den Rasen als auch für Beete hervorragend als Dünger, da der Boden auf einem natürlichen Weg alle Nährstoffe erhält, die er braucht.

Was ist Mulchmähen?

Mulchmähen stellt eine Alternative zum klassischen Rasenmähen dar und wird oft auch als „ökologisches Mähen“ bezeichnet. Im Gegensatz zur herkömmlichen Variante wird der Rasenschnitt nicht in einem Auffangbehälter des Mähers aufgefangen oder aber bei Fehlen eines solchen anschließend aufgeharkt, sondern das anfallende Schnittgut verbleibt auf der Rasenfläche. In der Regel werden dafür spezielle Mulchmäher* eingesetzt, die das Schnittgut meist mittels eines zweiten Schnittwerkes feiner zerhäckseln als konventionelle Rasenmäher. Dadurch entstehen weniger Klumpen und der Grasschnitt rieselt anschließend wieder in die Grasnarbe zurück. Ein durchlässiger, sandiger bis mittelschwerer Boden, qualitativ hochwertiges Saatgut sowie ein sonniger Standort sind die wichtigsten Voraussetzungen für einen schönen Rasen – egal ob dieser gemulcht oder gemäht wird.

Beim Verrotungsprozess des Grünguts entsteht auf biologische Weise alles, was der Rasen für ein gesundes Wachstum braucht. Als wichtigstes Erzeugnis dieses Vorgangs ist jedoch die Entstehung von Stickstoff zu nennen, da Stickstoff der Hauptbestandteil eines jeden Düngers ist. Während der Rasen mit einem Langzeitdünger lediglich 3 bis 4-mal im Jahr gedüngt wird, erhält er beim Mulchen mit rund 21 Düngegaben kontinuierlich in kleinen Mengen auf natürliche Art alle benötigten Nährstoffe.

Mulchmähen
Bildquelle: Viking

Vorteile des Mulchmähens

Das Mulchmähen hat gegenüber dem herkömmlichen Rasenmähen den Vorteil, dass die Nährstoffe, die der Rasen beim Wachstum dem Boden entzogen hat, durch das Aufbringen des zerhäckselten Rasenschnitts diesem wieder direkt zurückgeführt werden. Durch das feine Zerkleinern des Schnittguts wird dafür gesorgt, dass die abgeschnittenen Grashalme das frisch gemähte Grün nicht zu stark erdrücken, sondern vielmehr luftig oben aufliegen. Die natürliche Gründüngung des Rasens reicht in der Regel aus, sodass kaum oder gar nicht mehr mit weiteren Substanzen gedüngt werden muss. So werden nicht nur Kosten für teuren Kunstdünger gespart, sondern es gelangen auch keine eventuellen chemischen Abfallprodukte in das Grundwasser. Bei der Mulch-Düngung hingegen wird der Boden aufgrund der organischen Bindung des Stickstoffs im Rasenmulch bei Starkregen nicht ausgewaschen sowie durch die Mulchschicht eine Verschlämmung des Bodens verhindert.

Zudem bringt die Bedeckung der Grasnarbe mit dem fein zerhäckselten Schnittgut weitere positive Aspekte mit sich: So werden die Wurzeln der Graspflanzen bei Hitze kühl gehalten, wodurch die Feuchtigkeit länger im Boden erhalten bleibt und dieser bei Hitzeperioden seltener gewässert werden muss. Da das Schnittgut wieder zwischen die Grashalme zurückrieselt, bleibt dem Gartenbesitzer auch die Grasentsorgung erspart. Und das ist immerhin einiges, denn in einer Mähsaison fallen auf 100 m² Rasenfläche ungefähr 80 kg Grasschnitt an. Neben dem ständigen Leeren des Auffangbehälters ist dies vor allem für Gartenbesitzer, die über keinen Komposter oder Komposthaufen verfügen, eine recht mühsame Angelegenheit, da das Grüngut regelmäßig nach dem Mähen zu einer Kompost-Sammelstelle gefahren werden muss und die dortige Entsorgung oftmals mit Kosten verbunden ist.

Um mit Bedenken gegen das Mulchmähen aufzuräumen, gab der Gartengerätehersteller Viking eine Langzeitstudie beim Wiener Institut für Landschaftsentwicklung der Universität für Bodenkultur in Auftrag. Prof. Dr. Karl-Ernst Schönthaler und sein Forscherteam haben innerhalb eines Zeitraums von 4 Jahren die Auswirkungen dieser Mähtechnik auf Rasenqualität, Optik, Düngewirkung, Filzbildung sowie Bodenbiologie untersucht.

So konnte in der Studie nachgewiesen werden, dass durch die Schnittgut-Ruckführung nicht nur der Dünger ersetzt wird, sondern der Rasen zudem sowohl während der Hauptvegetationszeiten (Mai bis September) als auch während der Vegetationsruhe ein gleichmäßigeres und besseres Gesamterscheinungsbild aufweist (1) im Vergleich zu herkömmlich gemähten Grünflächen (2). Weiterhin konnte belegt werden, dass die Rasenzusammensetzung und wertvolle Grasarten weitestgehend erhalten bleiben, was wiederum zu einem robusteren Rasen führt.

Die von Mulch-Kritikern immer wieder angeführte angebliche Verstärkung der Filzbildung sowie das „Ersticken“ des Rasens konnte hingegen nicht bestätigt werden – im Gegenteil: Die natürliche Gründüngung führt zu einer erhöhten Bodenatmung, wodurch der Ansiedlung von Rasenunkräutern und Moosbildung weitgehend vorgebeugt wird.

Rasenvergleich zwischen Mulchen und Mähen
Bildquelle: Prof. Dr. Karl-Ernst Schönthaler

Alle Vorteile des Mulchmähens im Überblick:

  • Arbeitsersparnis
  • Finanzielle Ersparnis, da kaum oder keine zusätzlichen Düngekosten anfallen und auch die Entsorgungskosten des Grasschnitts entfallen.
  • Natürliche Gründung
  • Verbesserung der Rasenqualität sowohl während der Vegetations- als auch während der Ruhezeit. Der Rasen wird zunehmend dichter, ist vitaler und hat ein satteres Grün im Gegensatz zum konventionell gemähten Rasen
  • Erhalt von wertvolleren und belastbareren Rasenarten
  • geringere Artenverschiebung
  • weniger Rasenunkräuter
  • besser vor Austrocknung durch Wind und starker Sonneneinstrahlung geschützt
  • eignet sich für verschiedene Rasensorten
  • verbessert mit der Zeit auch schlechte Böden

Worauf man beim Mulchmähen achten sollte

Beim Mulchmähen muss der Rasen regelmäßig gemäht werden (ca. 1- bis 2-mal pro Woche), da der Mäher ansonsten bei zu hohem Gras mit der Grasmenge überfordert wird und das Schnittgut dadurch nicht mehr optimal im Rasen verteilt werden kann. Zusätzlich wird durch den kurzen Rasenschnitt die Kompostierung begünstigt und die Bildung eines schmierigen Belags auf und zwischen den Grashalmen verhindert. Dieser kann unter anderem auch das Verfilzen sowie Krankheiten und Moosbildung im Rasen fördern.

Weiterhin sollte der Rasen beim Mulchen trocken sein, da ein nasses Schnittgut im Mähgehäuse verklumpen und dadurch ebenfalls nicht gleichmäßig auf der Grünfläche verteilt werden kann. Auch kann ein nasser, langer und schlecht verteilter Rasenschnitt dazu führen, dass der darunter liegende Rasen zu faulen beginnt und zusätzlich durch fehlendes Sonnenlicht und fehlenden Sauerstoff geschädigt wird.

Während die Grünfläche auf die konventionelle Art etwa 17-mal in der Saison gemäht wird, ist bei der Schnittgut-Rückführung mit ca. 21 Mähgängen zu rechnen. Auch wenn bei der natürlichen Gründüngung häufigere Mäheinsätze erforderlich sind, entfallen die Fangkorbentleerungen sowie das Entsorgen des Rasenschnitts, sodass die Gesamtmähdauer im Vergleich zum herkömmlichen Mähen ungefähr gleich groß ist.

Aufgrund der häufigeren Mäheinsätze eignen sich Rasenmäher Roboter ideal zum Mulchmähen, da sie zu den Mulchmähern gehören und sich die Einsatzzeiten des autonomen Mähers einprogrammieren lassen. Als Faustregel sollte beim Mulchen beachtet werden: Immer nur max. ein Drittel der Gras-Halmlänge abschneiden, da nur so das gewünschte Mulch-Ergebnis erzielt werden kann. Die frische Mulchschicht sollte nicht dicker als 1 – 2 cm sein. Sollte der Rasen beispielsweise nach einem Urlaub höher sein, so muss man ihn stufenweise auf die gewünschte Länge zurückschneiden. Zudem sollte die Mährichtung variiert werden, damit die Gräser besser erfasst werden und der Rasenschnitt gleichmäßiger verteilt wird, wodurch ein homogeneres Schnittbild entsteht. Außerdem sollte auf überlappende Mähbahnen geachtet werden.

Mährichtung beim Mulchen
Bildquelle: Viking

Kann jeder Rasenmäher mulchen?

Natürlich ist der Rasenmäher-Industrie der Trend zu Mähern, die auch mulchen können, nicht entgangen und so gibt es seit einigen Jahren auch Geräte, die zwar ursprünglich zum Mulchen konzipiert wurden, jedoch auch sammeln können. Außerdem gibt es Rasenmäher, die zusätzlich auch mulchen können, indem der Auswurfkanal im Mähwerk geschlossen wird. Viele mögen nun denken, dass es sich hierbei um eine ideale Lösung handelt, da die Geräte ja beide Mähtechniken können, jedoch weit gefehlt! Dies liegt vor allem an der unterschiedlichen Konstruktionsweise von konventionellen Rasenmähern und speziellen Mulchmähern.

Ein herkömmlicher Rasenmäher muss beim Mähen einen Sog entwickeln, um das Gras vor dem Schneiden optimal aufzurichten und anschließend genügend Wind erzeugen, um das Schnittgut nach hinten in den Fangkorb zu befördern. Ein Mulcher hingegen darf nur wenig Wind erzeugen, da das abgeschnittene Gras möglichst lange im Mähgehäuse verbleiben und dort verwirbelt werden soll, damit es mehrfach geschnitten werden kann. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass das nun fein zerkleinerte Gras anschließend im Rasen bis auf die Grasnarbe rieseln kann.

Wenn man sich die unterschiedlichen Konstruktionsweisen beider Mähtechniken anschaut, so wird schnell klar, dass es sich beim Mulchen und Fangen um zwei grundlegend gegensätzliche Funktionen handelt. Daher können die meisten Rasenmäher, die ursprünglich zum Sammeln entworfen wurden, nur durchschnittlich mulchen und Mäher, die eigentlich als Mulcher gebaut wurden, nur durchschnittlich sammeln. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, sich zum Mulchen einen speziellen Mulchmäher zuzulegen, da nur so ein optimales Ergebnis erzielt werden kann.

Rasen mulchen Schnitttechnik
Bildquelle: Viking
Rasen fangen Schnitttechnik
Bildquelle: Viking

Rasen Mulchen ohne Mulchmäher

Möchte man dem Rasen auch ohne künstlichen Dünger wichtige Nährstoffe zurückgeben, jedoch keinen Mulchmäher nutzen, so kann man den Grasschnitt einfach kompostieren und nach erfolgreicher Verrottung wieder als reichhaltigen Humus einmal im Jahr auf den Rasen aufbringen. Der richtige Zeitpunkt beim Rasen Mulchen, oft auch „Recycling Mähen“ genannt, ist das Frühjahr. Dadurch werden dem Gras nach seiner Ruhezeit genügend organische Nährstoffe zurückgeführt und das Wachstum über das Jahr gefördert.

Bei dieser Methode sollte man darauf achten, dass der Humus gleichmäßig verteilt und gut in die Grasfläche (z.B. mit einer Harke) eingearbeitet wird. Weiterhin sollte die Rasenfläche beim Rasen Mulchen ebenfalls trocken sein. Falls der Humus sehr klebrig und fett in der Substanz sein sollte, kann er mit etwas feinem Sand vermischt werden und so eine lockere Konsistenz erhalten. Außerdem sollte der Humus nicht zu dick aufgetragen werden, da der Rasen sonst nur unnötig erstickt werden würde.